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Dies & Das

Klüngelkerl in Waltrop

Buchbesprechung von  Eugen Holtkamp  (auch in der neuen Ausgabe der Seniorenzeitung gerade erschienen)

Werner wird nicht Klüngelkerl

Werner Lünenschloss "Klüngelkerl - Kinderjahre im Ruhrgebiet 1937 bis 1951"

  (ISBN 978-3-927718-53-1; Preis 9,80 Euro).

Das Buch ist 1994 im Spenner Verlag in Waltrop erschienen. Der Verlag Hartmut Spenner ist jetzt in Kamen   Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Das Buch ist in ausreichender Zahl lieferbar und wird in der Online-Ausgabe des VLB  als lieferbar angezeigt. Auch direkt beim Verlag kann es unter der o.g.  E-Mail-Adresse bestellt werden.

 

Der Autor schildert in klarer, leichtverständlicher Sprache, wie er in Waltrop aufwuchs und wie seine Eltern und Großeltern lebten und arbeiteten. Auch zur Geschichte Waltrops und zur Deutung des Namens "Waltrop" und seines Familiennamens sowie zu den Münsterländern und Westfalen äußert er sich engagiert.

Ich empfehle dieses Buch. Es ist nicht nur für Waltroper Leser informativ und anrührend.

 Die Familie Lünenschloss stammt aus dem Bergischen und Hattingen und war 1937 von Herne nach Waltrop gezogen. Walter Lünenschloß war 36 Jahre alt, kaufm. Angestellter bei der Zeche, und bewohnte die Wohnung Am Wäldchen 6a, fast neben dem im Krieg erbauten Bunker an der Velsenstraße. 1937 wurde auch Sohn Werner im St.-Laurentius-Hospital in Waltrop geboren und in der Evangelischen Kirche zu Waltrop getauft und 1951 konfirmiert. Er ging zur Lutherschule, Waltrop, 1948 zum Freiherr-vom Stein-Gymnasium in Lünen, wo er 1957 sein Abitur machte.

Werner schildert, wie er in Waltrop aufwuchs, die Natur im Garten und Wäldchen erkundete, sich an der vielfältigen Vogelwelt und dem Taubensport erfreute, wie er mit dem Vater die Ringofenziegelei der Zeche, das Kesselhaus und Maschinenhaus, die Kokerei und Fördermaschine besichtigen durfte und wie ein Schwein geschlachtet wurde. Aber auch von den Erlebnissen im Krieg mit den Bombennächten im Bunker und von dem aus dem Barackenlager in den Rieselfeldern seiner Familie als Hausmädchen vermittelten etwa 16-jährigen ukrainischen Mädchen Vera erzählt er.

Sein Vater Walter war im Gesangverein MGV Eintracht 1855 im 2. Bass aktiv. Nach dem Krieg trat er in die SPD ein und ist im Adressbuch von 1950 als Ratsmitglied in Waltrop verzeichnet (Bürgermeister Oskar Timm).

 Ein großer Teil seiner Erzählungen nimmt auch die Heimat seiner Mutter ein, die aus dem Bergischen Land (Langenberg) stammt, und wo er oft bei den Großeltern zu Besuch war. Sein Großvater Wilhelm war im Textilbereich (Bandweberei) als selbständiger Bandwirkermeister tätig. Väterlicherseits beschreibt er das Leben und Arbeiten in Hattingen im Ruhrtal.

 Der Titel des Buches "Klüngelkerl" erschließt sich erst auf Seite 76: Werners Eltern schenkten ihm eine Blockflöte. Als ein Bekannter ihn fragte, was er einmal werden wollte, antwortete sein Vater schnell für ihn:

"Der Werner wird Klüngelkerl. Die Flötepiepe hat er schon."

Der Klüngelkerl kommt dann und wann mit Pferd und Wagen durch unsere Straße, kauft Lumpen, Knochen, Eisen und Papier und macht durch das ,Düdelütt' auf seiner Flöte auf sich aufmerksam.

Werner Lünenschloß ist aber doch nicht Klüngelkerl geworden, sondern Physiker und lebt in Aachen.