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Exkursion zur Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund – persönliche Eindrücke - Stolpersteine

 Eugen Holtkamp

Am  Sonntag, den 17.02.2019,  konnten Interessierte an einer Exkursion zur Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund teilnehmen, die die Grünen in Waltrop organisiert hatten.  Wir stiegen gegen 11 Uhr am Marktplatz Waltrop in den SB 24    nach Dortmund-Mengede. Schnell waren wir am Bahnhof Mengede und eilten durch den berüchtigten Angst-Tunnel auf den Bahnsteig. Auf einer Brücke sahen wir eine Menge von Menschen, die uns anstarrten. Nein, sie alle warteten auf die angekündigte Sprengung des 50 Jahre alten Steinkohlekraftwerks Knepper an der Grenze von Dortmund /Castrop-Rauxel.     

                                                                                                                                                                

 

Vom Bahnsteig sahen wir nur von Bäumen verdeckt  stark verkleinert die Umrisse des 210 m hohen Schornsteins, des Kesselhauses und des Kühlturms. Dann ertönte auf einmal ein starker Knall.

                                               

Aber da lief auch schon unser Zug ein: Westerfilde, Wischlingen, Huckarde, DO- Hauptbahnhof 11.40 Uhr.

An der Steinwache, nur wenige hundert Meter vom Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs, trafen sich dann ca. 30 Menschen  im Alter   von 80 bis 14 Jahren.

               

 

 

 

Wir hatten eine Führung durch die Gedenkstätte verabredet, die von den 2 sach-und fachkundigen Führern (Frau Heppe, Herr  Löttgen) in 2 Gruppen bewegend gestaltet wurde. 

                                                                                                                                          

Die Zellen im Polizeigefängnis, die Dokumentationen und die Zeitzeugenberichte von Inhaftierten ergaben ein bedrückendes Zeugnis von dem Foltersystem der Nazizeit von 1933 bis 1945. Das Polizeigefängnis Steinwache war oft nur Durchgangsstation zum Arbeitslager, Konzentrationslager bis zum Vernichtungslager.

Im letzten Raum, den wir uns ansahen,  war dokumentiert, dass die GESTAPO in den letzten Wochen vor Ende des 2. Weltkriegs 1945 noch fast 300 Menschen in den Wäldern der Bittermark und im Rombergpark im Süden Dortmunds umgebracht hat. 

Nicht weit weg im Ausland, sondern ganz in unserer Nähe ist Schreckliches passiert, von dem uns unsere Eltern nichts erzählt haben. Der hochgeehrte ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt schreibt in seinem letzten Buch „Was ich noch sagen wollte“, dass er nicht gewusst habe, was in den Konzentrationslagern wirklich passiert sei. Aber das glaubte ihm selbst seine Tochter nicht. Auch in unserer Heimatstadt Waltrop gab es in der Nazizeit ein Frauenlager in Holthausen, in dem ausländische Frauen unter unmenschlichen Umständen untergebracht waren und zahlreiche dort geborene Kinder nicht überlebten. Aber in der Waltroper Fußgängerzone erinnern die Stolpersteine von Paul Reding an die toten Kinder des Frauenlagers. Gedenkfeiern der weiterführenden Schulen und Abschlussarbeiten von Schülerinnen und Schülern halten die Erinnerung wach. Das lässt hoffen!

Am Eingang der Steinwache trafen wir auch auf Stolpersteine, auf denen an Häftlinge erinnert wird, die ermordet wurden. Ein Mädchen fragte daraufhin, warum in Waltrop keine Stolpersteine vor den Häusern liegen, in denen Juden früher gewohnt haben.  Das frage ich mich auch. Höchste Zeit!

 

                      

Gegen 14 Uhr fuhren wir zurück nach Waltrop. Im Bus erfuhren wir die neusten Nachrichten von der Sprengung des alten Kraftwerks Knepper. 2 Schüler, die vor mir im Bus saßen, zeigten mir auf ihrem Smartphone, wie der Schornstein umkippte. So konnte ich als Senior doch noch von den Vorzügen  der schönen neuen Welt der Digitalisierung überzeugt werden.

 

                                              

Info

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Dortmunder Norden eine eigene Polizeidienststelle eingerichtet. Nach dem Umzug in die Steinstraße 50 im Jahr 1906 galt dieser Ort bald als die Zentrale der Polizei in Dortmunds Norden, erhielt schnell den Beinamen „Steinwache" und wurde um  ein Polizeigefängnis erweitert. Mit dem Auftreten der Gestapo im Gefängnis seit 1933 wurden einige Bereiche des Zellentraktes zur Folterung und Erpressung von Geständnissen politischer Gegner missbraucht. Von 1933 bis 1945 waren hier über 66.000 Menschen inhaftiert.
1987 beschloss der Rat der Stadt Dortmund, die bisher im Museum am Westpark gezeigte Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933-1945“ dauerhaft in der Steinwache unterzubringen. Am 14. Oktober 1992 konnte die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache mit ihrer ständigen Ausstellung eröffnet werden.

Weitergehende Informationen unter: https://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/stadtarchiv/steinwache/steinwache_besichtigung/index.html

http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/dortmund/besucherinformationen.html