SW-Ansicht

Dies & Das

Jüdisches Leben bei uns

Eva und Eugen Holtkamp

 

Stolperstein in Lünen, Horstmarer Straße für Eduard Petrat, 1945 in Bergen-Belsen ermordet 

Die Waltroper Zeitung berichtete am 18.6.2021 ausführlich von den Vorschlägen des Arbeitskreises „Gedenken an jüdische Mitbürger*innen in Waltrop“, vorgetragen von Clemens Schmale dem Leiter der VHS am 15.6.     im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Ehrenamt. Die Vorschläge fanden die einstimmige Zustimmung des SKSE-Ausschusses. In der nächsten Ratssitzung am 30.6. soll abschließend entschieden werden. https://www.waltroper-zeitung.de/waltrop/juedisches-leben-in-waltrop-soll-besser-bemerkbar-werden-w1644763-11000020585  

Die 3 Vorschläge für die Gedenkorte;

  • Der „Alte jüdische Friedhof“ an der Hilberstraße soll, in Absprache mit dem zustӓndigen Landesverband der jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe zu einer zentralen Gedenkstӓtte für das jüdische Leben in Waltrop aufgewertet werden.
  • Die Verlegung von Stolpersteinen (wie in vielen anderen Städten) empfiehlt der Arbeitskreis auch für Waltrop, die an die Mitglieder der vier in Waltrop in den 1930er-Jahren noch lebenden jüdischen Familien erinnern, die zu Opfern der nationalsozialistischen Diskriminierung, Stigmatisierung, Entrechtung, Verfolgung, Vertreibung und schließlich Vernichtung geworden sind. Dies sind die Familien Baum, Rosenthal, Rosenblum und Spanier.
  • Jüdisches Gräberfeld und andere Gedächtnisorte auf dem städtischen Friedhof: Der Arbeitskreis schlӓgt vor, die Lage des jüdischen Grӓberfeldes auf dem städtischen Friedhof deutlicher mit Hilfe eines Hinweises bzw. Wegweisers zu kennzeichnen und es als einen von drei Gedӓchtnisorten zu deklarieren. Unweit des jüdischen Grӓberfeldes befinden sich nӓmlich noch zwei weitere Gedӓchtnisorte, einerseits eine mit kyrillischem Text versehene Stele, die an in faschistischer Gefangenschaft verstorbene sowjetische Bürger erinnert, sowie eine Gedenkplatte für die Frauen, die ins Lager Holthausen eingewiesen wurden, und die Kinder, die dort geboren wurden und vielfach starben.

 Jüdisches Grӓberfeld auf dem städtischen Friedhof

 

Auf dem städtischen Friedhof eine mit kyrillischem Text versehene Stele, die an in faschistischer Gefangenschaft verstorbene sowjetische Bürger erinnert

Auf dem städtischen Friedhof  eine Gedenkplatte für die Frauen, die ins Lager Holthausen eingewiesen wurden, und die Kinder, die dort geboren wurden und vielfach starben.

 

Wir sind vom Seniorenbeirat im Arbeitskreis vertreten und haben uns besonders für die Verlegung von „Stolpersteinen“ eingesetzt, um konkret der jüdischen Familien vor ihren ehemaligen Häusern im Stadtkern (Rösterstraße, Am Moselbach, Dortmunder Straße, Schützenstraße), zu gedenken.

1932  lebte in Waltrop nur eine winzige Minderheit von jüdischen Familien, nur noch 5 Haushalte mit 18 Personen. 1939 ist im Einwohnerbuch  kein Jude mehr verzeichnet. Über das Schicksal von 4 jüdischen Familien soll hier berichtet werden:

  • Louis und Ida Spanier, ein Ehepaar mit einem Sohn und Schwägerin Bertha Rosenthal hatten ein Textilwaren-Geschäft Ecke Hochstraße/Schützenstraße. Sie waren 1938 die letzten Juden in Waltrop.  In der  Pogrom-Nacht  /10. November 1938 wurden sie überfallen, misshandelt und in „Schutzhaft“ genommen, mit der Auflage entlassen, Waltrop zu verlassen. Das Haus musste verkauft werden. Louis zog nach Dortmund und  ist kurze Zeit später verstorben. Sein Sohn  Eduard konnte 1941 nach New York entkommen.   Bertha Rosenthal kam bei ihrer Schwester in Hannover unter. Sie wurden beide später nach Auschwitz deportiert und kamen dort ums Leben.
  • Josef Rosenthal und danach sein Sohn Wilhelm waren Besitzer des erstklassigen Textil-Kaufhauses an der Kreuzung Dortmunder Str./Am Moselbach (später Sebbel).  Die Familie mit Frau Mita und Sohn  Wilhelm  war hochangesehen und sehr sozial eingestellt. Willi war Kriegsheld des 1. Weltkriegs, aktiver Sportler,  Sponsor und 2. Vorsitzender des VfB. 1935 /1938 erfolgte die Geschäftsübergabe zum Schleuderpreis an Sebbel und die Ausreise der Familie  nach Holland, für die sie 46000 RM Reichsfluchtsteuer bezahlen mussten. Willi  starb nach 1945 an den Entbehrungen des Versteckens, ähnlich wie Anne Franks Schicksal.  
  • Kaufhaus Stern und Baum, Jakob (+1938) und Martha Baum mit 3 Söhnen Werner, Helmut, Günter -Rösterstraße2 (später Bonhoff), 1936 zwangsversteigert. Den Söhnen gelang es 1939, nach Dänemark/Schweden   Israel zu entkommen. Die Mutter verzog 1938 nach Dortmund zu ihrer Schwester und ist 1942    mit einem Sammeltransport nach Polen in ein Vernichtungslager gebracht worden.        Foto
  • Der polnischer Dentist Leo Rosenblum und seine Frau, Dortmunder Straße 54, fielen einer verleumderischen Hetzkampagne zum Opfer. 1933  ist Rosenblum  nach Dortmund verzogen und dort  1939 verhaftet und 1942 in Bernburg vergast worden. Seine Ehefrau Bertha kam 1943 im KZ Auschwitz um. Sein Haus wurde 1940 von der Gestapo beschlagnahmt und unter Wert an die Schwester des Dentisten Paul Neck verkauft.