SW-Ansicht

Wenn ich einmal arm wär’

 Empfehlung der Landesseniorenvertretung NRW gegen Altersarmut

 

Armut im Alter

Ein lange Zeit überwunden geglaubtes Thema gewinnt zunehmend wieder an Bedeu­tung: Armut im Alter. Die Landesseniorenvertretung NRW hat aber zugleich die zunehmende Armutsgefährdung und Armut anderer Altersgruppen im Blick, denn die heute armen Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Eltern sind die von Armut betroffenen alten Menschen der Zukunft.

Die LSV NRW sieht gesellschaftspolitische Möglichkeiten gegen die Folgen von Armut  im Alter aktiv zu werden. Die Ursachenbekämpfung aber liegt nicht in der Hand ehrenamtlich engagierter Menschen, sondern auf allen Ebenen von Politik und Wirtschaft (Bund, Land, Kommune).

Was ist Armut? Wer gilt als arm?

Armut besteht aus einer Kombi­nation von Einkommensarmut (z. B. geringe Rente, Pension und geringe weitere Einkünf­te) und Lebenslagearmut (z. B. schlechte Wohnverhältnisse, Gesundheit sowie soziale Beziehungen und Kontakte). Armut bedeu­tet dabei immer eine Unterversorgung in wesentlichen Lebensbereichen. Als „arm“ gelten Menschen, die über zu geringe materielle, soziale und persönliche Möglichkeiten verfügen, um ihren dritten und vierten Lebensabschnitt im Vergleich zum allgemeinen Lebensstandard einigermaßen zufriedenstellend zu gestal­ten.

 Ursachen von Armut im Alter

Die vielfältigen Ursachen von Armut im Alter sind in der Regel im Lebenslauf erwor­ben. So führen mangelnde Bildungschancen in Kindheit und Jugend in der Regel zu niedrig qualifizierten Arbeitsplätzen mit geringen Entlohnungen. Geringer Lohn, Langzeitarbeitslosig­keit und die Minderung der Erwerbsfähigkeit gelten als Hauptrisikofaktoren, um in Altersarmut zu geraten. Verschärfend wirken gesundheitliche Beeinträchtigungen, ein Migrationshintergrund sowie Pflegebedürf­tigkeit und die hohe Lebenserwartung – vor allem bei Frauen.

Ausmaß von Armut im Alter

Gemessen wird Armut, indem ein bestimmtes Niveau definiert wird, ab dem ein Mensch als arm gilt. Demnach gelten derzeit Menschen als arm, die über weniger als 979,75 Euro pro Monat als Einkommen verfügen. Schon heute wird dieses Einkommen allein durch die durchschnittlichen Altersrenten nicht erzielt bzw. nur knapp überschritten. Grundsicherung bezogen im Jahre 2010 in NRW 3,1 Prozent (112.245 Menschen) der über 65 Jahre alten und älteren Menschen. Hinzu kommt, dass Menschen mit zu geringen finanziellen Mitteln von Angeboten und Dienstleistungen ausgeschlossen werden. Das Pro­blem der Altersarmut wird sich künftig verschärfen.

Wie kann sich Armut im Alter zeigen?

Der alte Mensch, der Flaschen sammelt, um das Pfand einzulösen, gehört inzwischen zum Bild der Stadt. Folgende Erscheinungsformen und Kennzei­chen lassen sich in Bezug auf Armut im Alter nennen:

»   Zunehmende Erwerbsnotwendigkeit älterer Menschen

»    Eine steigende Inanspruchnahme von Grundsicherung

»   Verschämte Armut, d. h. Mangel an Geld, der verheimlicht wird und durch billiges Essen und 

     Einsparungen von Teilhabe am öffentlichen Leben kompensiert wird

»   Krankheit und vorzeitig einsetzende Pflegebedürftigkeit

»   Isolation

 

Wie können Seniorenvertretungen die Folgen von Armut im Alter entschärfen

Als unabhängige Interessenvertretung Älterer können kommunale Seniorenvertre­tungen heute in 164 Städten, Gemeinden und Kreisen in Nordrhein-Westfalen das Thema „Armut im Alter“ auf die politische Tagesordnung bringen. Dazu bestehen folgende Möglichkeiten, aktiv zu werden:

»  Forderung der Seniorenvertretung an die Kommune nach einer kontinuierlichen Armuts- und Reichtumsberichterstattung. Damit lassen sich Ausmaß und Entwicklungen von Armut einschätzen und es können daraus konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Beispiel: Angebot einer Schuldnerberatung im Stadtteil

»   Gründung eines Bündnisses gegen Armut im Alter - oder auch gegen Armut allgemein - in der Kommune

» Einrichtung von Begegnungsforen für den regelmäßigen Austausch mit den institutionell, politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen und Handelnden

»    Einsatz für die Einrichtung und den Erhalt von Ansprechstellen und -orten für Ältere im Stadtteil Dazu kann auch ein Café zur Kontaktaufnahme und zum Austausch gehören

»   Initiative und Mitwirkung bei der Einrichtung von nachbarschaftlichen Netzwerken, um der Isolation alter Menschen entgegenzuwirken

»   Engagement für barrierearme und -freie Wohnungen/Wohnumfeld

»   Bemühungen für die Begrenzung von Mietpreisen in den Innenstädten

»    Einsatz für den Erhalt der Mobilität durch ausreichende Angebote im ÖPNV und 

      vergünstigte Fahrmöglichkeiten

»   Bereitstellung mobiler Versorgungsmöglichkeiten in entlegenen Gegenden

»   Initiierung und Unterstützung von kostengünstigen Freizeitangeboten

» Initiative zum besseren Zugang zu Informationen für Ältere durch Werbung und Ansprache

»   Präventiver Einsatz für gute Bildung bei Kindern aus armen Familien und Übernahme von

     Patenschaften für Kinder und Jugendliche.

 

(Quelle: Landesseniorenvertretung NRW, Empfehlung gegen Altersarmut 2.4.2014, bearbeitet und gekürzt von Eugen Holtkamp)