SW-Ansicht

Dies & Das

Wohnberatung der Lebenshilfe

                      

Sicher und selbständig in der eigenen Wohnung leben

Wohnberatung seit fast 20 Jahren kostenlos in Waltrop

Auch im hohen Alter selbständig in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus zu wohnen, ist für die meisten Menschen selbstverständlich.  Doch was ist, wenn dieser Wunsch durch Unfall, Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit  in Gefahr gerät?

Seit knapp 20 Jahren fördert der Kreis Recklinghausen Wohnberatungsstellen, von denen sich Bürgerinnen und Bürger Informationen und Tipps holen können, wenn es um die alternsgerechte Anpassung der eigenen Wohnung geht. In Waltrop stehen Peter Pagel und Monika Paul als Beraterteam bereit. Der Diplom Pädagoge und die Architektin beraten in der Regel vor Ort, um z.B. bei einem barrierefreien Umbau die optimale Lösung auszutüfteln und eine geeignete Finanzierung zu finden. Bei Bedarf werden auch die Erstellung eines Angebotes, die bauliche Umsetzung der Maßnahme sowie die Abrechnung mit dem Fachbetrieb durch die Wohnberatungsstelle begleitet.

Egal, ob es sich um den Einbau eines Treppenliftes,  die Nachrüstung eines zweiten Handlaufes oder den Entwurf eines senioren- oder rollstuhlgerechten Bades handelt: Die Wohnberater können einen Überblick über das Angebot an geeigneten Hilfsmitteln, die gültigen Baunormen und Förderbedingungen möglicher Kostenträger geben.

 Am gefährlichsten ist es zu Hause

Von knapp zehn Millionen Unfällen jährlich ereignet sich ein Drittel zu Hause:

Dabei ist die Hausarbeit mit 440.000 Unfällen am unfallträchtigsten, gefolgt von Heimwerken (250.000 Unfälle) und Gartenarbeit (200.000 Unfälle). Am häufigsten sind Menschen über 75 Jahre betroffen.

Wohnberatung hilft, Unfallursachen zu erkennen und abzustellen.

 Gastvorträge und Informationsveranstaltungen

Fr. Paul und H. Pagel von der Wohnberatungsstelle erläutern Seniorengruppen, Initiativen und Vereinen die Möglichkeiten der Wohnungsanpassung und Unfallvermeidung anhand von Lichtbildvorträgen - auch im Abendbereich.

 Kostenlos und unabhängig

Durch die Förderung des Kreises Recklinghausen im Rahmen der komplementären ambulanten Dienste ist das Beratungsangebot durch die Wohnberatungsstellen unabhängig und für alle Bürgerinnen und Bürger kostenlos.

 Wohnberatungsstelle der Lebenshilfe e.V.

Monika Paul und Peter Pagel

Landabsatz 10

45731 Waltrop

Tel.: 02309 787832

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Jüdisches Leben bei uns

Eva und Eugen Holtkamp

 

Stolperstein in Lünen, Horstmarer Straße für Eduard Petrat, 1945 in Bergen-Belsen ermordet 

Die Waltroper Zeitung berichtete am 18.6.2021 ausführlich von den Vorschlägen des Arbeitskreises „Gedenken an jüdische Mitbürger*innen in Waltrop“, vorgetragen von Clemens Schmale dem Leiter der VHS am 15.6.     im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Ehrenamt. Die Vorschläge fanden die einstimmige Zustimmung des SKSE-Ausschusses. In der nächsten Ratssitzung am 30.6. soll abschließend entschieden werden. https://www.waltroper-zeitung.de/waltrop/juedisches-leben-in-waltrop-soll-besser-bemerkbar-werden-w1644763-11000020585  

Die 3 Vorschläge für die Gedenkorte;

  • Der „Alte jüdische Friedhof“ an der Hilberstraße soll, in Absprache mit dem zustӓndigen Landesverband der jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe zu einer zentralen Gedenkstӓtte für das jüdische Leben in Waltrop aufgewertet werden.
  • Die Verlegung von Stolpersteinen (wie in vielen anderen Städten) empfiehlt der Arbeitskreis auch für Waltrop, die an die Mitglieder der vier in Waltrop in den 1930er-Jahren noch lebenden jüdischen Familien erinnern, die zu Opfern der nationalsozialistischen Diskriminierung, Stigmatisierung, Entrechtung, Verfolgung, Vertreibung und schließlich Vernichtung geworden sind. Dies sind die Familien Baum, Rosenthal, Rosenblum und Spanier.
  • Jüdisches Gräberfeld und andere Gedächtnisorte auf dem städtischen Friedhof: Der Arbeitskreis schlӓgt vor, die Lage des jüdischen Grӓberfeldes auf dem städtischen Friedhof deutlicher mit Hilfe eines Hinweises bzw. Wegweisers zu kennzeichnen und es als einen von drei Gedӓchtnisorten zu deklarieren. Unweit des jüdischen Grӓberfeldes befinden sich nӓmlich noch zwei weitere Gedӓchtnisorte, einerseits eine mit kyrillischem Text versehene Stele, die an in faschistischer Gefangenschaft verstorbene sowjetische Bürger erinnert, sowie eine Gedenkplatte für die Frauen, die ins Lager Holthausen eingewiesen wurden, und die Kinder, die dort geboren wurden und vielfach starben.

 Jüdisches Grӓberfeld auf dem städtischen Friedhof

 

Auf dem städtischen Friedhof eine mit kyrillischem Text versehene Stele, die an in faschistischer Gefangenschaft verstorbene sowjetische Bürger erinnert

Auf dem städtischen Friedhof  eine Gedenkplatte für die Frauen, die ins Lager Holthausen eingewiesen wurden, und die Kinder, die dort geboren wurden und vielfach starben.

 

Wir sind vom Seniorenbeirat im Arbeitskreis vertreten und haben uns besonders für die Verlegung von „Stolpersteinen“ eingesetzt, um konkret der jüdischen Familien vor ihren ehemaligen Häusern im Stadtkern (Rösterstraße, Am Moselbach, Dortmunder Straße, Schützenstraße), zu gedenken.

1932  lebte in Waltrop nur eine winzige Minderheit von jüdischen Familien, nur noch 5 Haushalte mit 18 Personen. 1939 ist im Einwohnerbuch  kein Jude mehr verzeichnet. Über das Schicksal von 4 jüdischen Familien soll hier berichtet werden:

  • Louis und Ida Spanier, ein Ehepaar mit einem Sohn und Schwägerin Bertha Rosenthal hatten ein Textilwaren-Geschäft Ecke Hochstraße/Schützenstraße. Sie waren 1938 die letzten Juden in Waltrop.  In der  Pogrom-Nacht  /10. November 1938 wurden sie überfallen, misshandelt und in „Schutzhaft“ genommen, mit der Auflage entlassen, Waltrop zu verlassen. Das Haus musste verkauft werden. Louis zog nach Dortmund und  ist kurze Zeit später verstorben. Sein Sohn  Eduard konnte 1941 nach New York entkommen.   Bertha Rosenthal kam bei ihrer Schwester in Hannover unter. Sie wurden beide später nach Auschwitz deportiert und kamen dort ums Leben.
  • Josef Rosenthal und danach sein Sohn Wilhelm waren Besitzer des erstklassigen Textil-Kaufhauses an der Kreuzung Dortmunder Str./Am Moselbach (später Sebbel).  Die Familie mit Frau Mita und Sohn  Wilhelm  war hochangesehen und sehr sozial eingestellt. Willi war Kriegsheld des 1. Weltkriegs, aktiver Sportler,  Sponsor und 2. Vorsitzender des VfB. 1935 /1938 erfolgte die Geschäftsübergabe zum Schleuderpreis an Sebbel und die Ausreise der Familie  nach Holland, für die sie 46000 RM Reichsfluchtsteuer bezahlen mussten. Willi  starb nach 1945 an den Entbehrungen des Versteckens, ähnlich wie Anne Franks Schicksal.  
  • Kaufhaus Stern und Baum, Jakob (+1938) und Martha Baum mit 3 Söhnen Werner, Helmut, Günter -Rösterstraße2 (später Bonhoff), 1936 zwangsversteigert. Den Söhnen gelang es 1939, nach Dänemark/Schweden   Israel zu entkommen. Die Mutter verzog 1938 nach Dortmund zu ihrer Schwester und ist 1942    mit einem Sammeltransport nach Polen in ein Vernichtungslager gebracht worden.        Foto
  • Der polnischer Dentist Leo Rosenblum und seine Frau, Dortmunder Straße 54, fielen einer verleumderischen Hetzkampagne zum Opfer. 1933  ist Rosenblum  nach Dortmund verzogen und dort  1939 verhaftet und 1942 in Bernburg vergast worden. Seine Ehefrau Bertha kam 1943 im KZ Auschwitz um. Sein Haus wurde 1940 von der Gestapo beschlagnahmt und unter Wert an die Frau des Dentisten Paul Neck verkauft.  

 

 

 

 

 

 

 

Neue Räume für Erinnerungskultur in Waltrop: Holocaust-Gedenken wird aufgewertet und verstetigt

Uwe Paczkowski

02.02.2021 Stadt Waltrop - Aktuelles

Die für den 27. Januar 2021 geplante Holocaust-Gedenkfeier ist wegen der Corona-Pandemie vorerst verschoben worden. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wird aber derzeit in Waltrop auch unabhängig vom internationalen Holocaust-Gedenktag verstetigt. Ein Arbeitskreis mit dem Auftrag, dem Gedenken an die Menschen, die im Dritten Reich verfolgt und ermordet wurden, dauerhaft mehr Raum zu geben, liefert schnelle Ergebnisse. Zu den Projekten zählen eine Aufwertung des jüdischen Friedhofs als Gedenkstätte und die Installation von „Stolpersteinen“ zur Erinnerung an Waltroper Opfer im Stadtgebiet.

Seit vielen Jahren gibt es in Waltrop am 27. Januar seitens der Stadt, der Schulen und der Volkshochschule Aktionen zum Gedenken an die Holocaust-Opfer. An diesem Tag wird seit 1996 deutschlandweit und auch international der Holocaust-Gedenktag begangen. Aus diesem Anlass finden alljährlich Veranstaltungen gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsradikalismus an wechselnden Orten in Waltrop statt. 2021 konnte es aufgrund der Corona-Pandemie-Situation keine Gedenkveranstaltungen geben.

Es tut sich derzeit in Waltrop trotzdem einiges in Sachen Erinnerungskultur gegen das Vergessen – und zwar dauerhaft. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat Volkshochschule (VHS), Kulturbüro und Heimatverein beauftragt, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Waltrop zu verstetigen und aufzuwerten. Bei einer Gesprächsrunde mit Akteuren aus Politik, Bildung, Geschichtswissenschaft und Kultur entstand schlussendlich ein Aktionskreis aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertreterinnen und Vertretern von Volkshochschule, Kulturbüro und Heimatverein. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der Schulen wurden hinzugebeten.

Trotz der derzeit allgegenwärtigen Kontakteinschränkungen fand man Wege zur Zusammenarbeit und entwickelte Ideen und Vorschläge, wie das Gedenken an die Opfer würdiger gestaltet und damit auch in den Köpfen der Menschen präsenter werden kann. Die ersten Zwischen-Ergebnisse des Arbeitskreises präsentierte VHS-Leiter M. Clemens Schmale in einer Video-Botschaft im Rahmen der Sitzung des städtischen Haupt- und Finanzausschusses in der vergangenen Woche den Ratsmitgliedern (>>> Zum Video auf YouTube).

Der jüdische Friedhof an der Hilberstraße soll künftig als Ort des Gedenkens aufgewertet werden. „Viele Waltroperinnen und Waltroper wissen gar nicht, dass es den Friedhof gibt oder wo er zu finden ist. Nur einmal im Jahr versammeln sich dort Vertreter von Stadt, Kirchen und Parteien, um an die Opfer der Novemberprogrome von 1938 zu erinnern (am 9. November, d. Red.). Wir wollen hier einen Ort des Gedenkens schaffen, der die Verfolgung der jüdischen Familien aus Waltrop ständig in den Blick rückt“ berichtet Schmale.

„Trotz gewisser Vorbehalte seitens des Heimatvereines schlagen wir außerdem vor, die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig zu verlegen und so einen Gedenkweg in der Innenstadt zu schaffen.“ An jedes Waltroper Opfer soll mit Namen, Daten und Todesort auf einem gravierten Stein erinnert werden. Die Steine sollen vor ihren ehemaligen Wohnorten ins Pflaster eingelassen werden. „Auch Informationen über QR-Codes sind denkbar. Wir arbeiten weiter mit dem Heimatverein, dem Kulturbüro und den Schulen zusammen, um unserem gemeinsamen Auftrag gerecht zu werden, dem Gedenken an den Holocaust mehr Raum zu schaffen“ so Schmale weiter.

Im Ausschuss, der am 27. Januar tagte, wurden die Vorschläge dankend aufgenommen. Es gab, dem Anlass gemäß, eine Gedenkminute. Die städtische Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag 2021 soll übrigens – sofern das im Rahmen des Pandemie-Geschehens möglich ist – am 11. Mai in der Gesamtschule nachgeholt werden.


>>> ZUR VIDEO-BOTSCHAFT VON CLEMENS SCHMALE (auf YouTube)

 

INFO: HOLOCAUST GEDENKTAG
Der 27. Januar ist Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag des Gedenkens wurde 1996 von Bundespräsident Roman Herzog eingeführt. Er dient der Erinnerung an die Opfer der Nazi-Diktatur, zu denen unter anderem Juden, Christen, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle sowie politisch Andersdenkende gehörten. Der Holocaust-Gedenktag soll mahnen, wohin Extremismus, Nationalismus und Totalitarismus führen können. Wir gedenken der Vergangenheit, aber schauen auch in Gegenwart und Zukunft.


Auf dem Bild: VHS-Leiter M. Clemens Schmale bei der Aufzeichnung der Videobotschaft auf dem jüdischen Friedhof in Waltrop (Foto: Stadt Waltrop).  

https://www.waltrop.de/Inhalte/Ueber_Waltrop/aktuelles.asp?form=detail&db=308&id=2136